| Eine
Reise in der Schuhschachtel nach Ägypten
Unterrichtsprojekt in der Jahrgangsstufe 6
Vorüberlegungen:
"Entdecker und Ausgräber" schreibt der Lehrplan Kunsterziehung
als Motto für die 6. Jahrgangsstufe. Begleitend zum ersten Jahr Geschichtsunterricht
sollen die Kinder sich im Kunstunterricht eher spielerisch dem Erbe der
alten Kulturen nähern. Also steht hier zunächst einmal nicht
die Stilgeschichte, wie z. B. die ehemals von Kunsterziehern in diesem
Zusammenhang gerne bemühten Säulenordnungen griechischer und
römischer Tempel auf dem Programm, sondern eher ein erstes Eintauchen
in die faszinierende Welt, die uns die Entdecker und Ausgräber entschlüsseln.
Die Kinder, nicht nur die Buben, bringen eine natürliche Neugier gegenüber
alldem mit, was mit Entdeckungen zu tun hat. Diese Faszination macht sich
der Lehrplan zu Nutze.Fast jeder Schüler kennt in diesem Alter die
Geschichte der Entdeckung der Grabkammer Tut-Anch-Amuns durch Howard Carter.
Die Geschichtsbücher der 6. Klassen beschreiben diese Entdeckung anschaulich.
Derartiges Material diente bei unserem Projekt der Einstimmung. Die Schüler
sollten sich in die Lage eines Entdeckers versetzen, der zum ersten Mal
nach über zwei Jahrtausenden eine überreich ausgestattete Grabkammer
öffnet und so wie damals Carter von seinen Gefährten hinter ihm
gefragt wird, was er sehe. Carters Antwort ist durch Zeugen überliefert.
Er sagte mit kaum vernehmbarer Stimme: "wunderbare Dinge". Dieser Satz
sollte beim ersten Blick unserer Grabkammern ebenso treffend sein.
Die Schuhkartons:
Jeweils zwei Schüler bearbeiteten in Partnerarbeit
einen einfachen, nicht zu großen Schukarton. Zunächst galt es
einmal drei Seitenwände mit Wandmalereien zu gestalten. In eine Schmalseite
schnitten die Schüler ein Loch, durch das die Kammer betrachtet werden
soll, so daß deren Ausschmückung entfiel. Bei dieser Gelegenheit
lernten die Schüler, was eine Abwicklung ist, da die Wände auf
einfaches, weißes Zeichenpapier übertragen wurden. Jede Gruppe
suchte sich Vorlagen aus Büchern, die sie teilweise von zu Hause mitbrachten.
Die Qualität und Fülle dieser Vorlagen bestätigte das Interesse,
das die Kinder dem Thema entgegenbringen. Wir legten uns bei der Gestaltung
nicht unbedingt auf die ägyptische Kultur fest. Eine Gruppe entschloß
sich dazu, das Urwaldgrab einer Mayakultur zu gestalten. Interessant war
dabei die Idee, daß zu dem Grab steile Treppen hinaufführen
sollten und das Loch an der Unterseite der Schachtel liegen sollte. Eine
waghalsige Konstruktion, die die beiden Schüler trotz aller Widerstände
in die Tat umsetzten (im Film ist dieses Grab kurz zu sehen).Eine andere
Gruppe gestaltete ein Etruskergrab mit entsprechenden Wandmalereien nach
Vorbildern aus Tarquinia.
Nach der Gestaltung der Wände, die mit heißem
Wachs, Kaffee und Tee, sowie Staub und anderen Materialien rascher verwittert
wurden, ging es an die Inneneinrichtung. Das beliebteste Material war in
diesem Zusammenhang Styropor, das mit einem heißen Draht zurechtgeschnitten
wurde. Auch Plastilin und andere Modelliermassen, Sand, Steine und alle
möglichen Kleinteile wurden im Laufe der Arbeit von den Schülern
in die Kammern hineingestellt. Das Styropor wurde mit Filzstiften kräftig
bemalt, was bei neutraler Beleuchtung alles andere als antik aussieht.
Erst die Spezialeffekte der Beleuchtung durch eine Öffnung im Deckel
der Schachteln, die einige Schüler mit farbiger Folie beklebten, brachten
bei den nachfolgenden Filmaufnahmen eine besonders
stimmungsvolle Atmosphäre. |
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