Merkmale:
Woran erkennt man den Impressionismus?
Die
Stilkunde ist bestrebt einen Stil zeitlich einzuordnen und sucht gern nach
einem ersten... Bild. In diesem Sinn steht Monets Bild von 1872
"Impression
soleil levant"am Anfang des Impressionismus. Dieses in Le Havre gemalte
Bild verschaffte auf der ersten Ausstellung der Impressionisten 1874 der
ganzen 'Bewegung' einen Namen durch die spöttisch gemeinte Titulierung
eines Kritikers. Bis 1886 kam es zu insgesamt 8 solchen Gruppenausstellungen,
dann waren offenbar die Unterschiede so deutlich geworden, daß
der ursprüngliche gemeinsame Konsens verloren war. Monet, der impressionistischste
Maler der Impressionisten, starb 1926.
Da hatte die Welt
bereits den Symbolismus, den Jugendstil, die Vauves, den Expressionismus,
den Kubismus, Dada, den Futurismus und die Surrealisten kennengelernt.
Monet blieb bei seinen Landschaften und Seerosen und der Impressionismus
starb, wie andere Stile davor und danach mit seinen Vertretern. Die Stilkunde
ist bestrebt Merkmale zu benennen, an denen sich ein Stil erkennen läßt.
Vom Impressionismus wird gesagt, daß er sich für Landschaft,
Licht, Luft, Atmosphäre, Farbe interessierte. Aber Impressionisten
haben auch in Städten gemalt, Bahnhöfe Kathedralen, Parks, Volksfeste.
Von Impressionisten gibt es Portraits und Genrebilder, selbst Versuche
in Historienmalerei lassen sich in den Anfängen finden. Auch die Malerei
im Freien ist zwar ein Glaubensbekenntnis, läßt sich aber
nicht jederzeit realisieren. Impressionisten, selbst die sog. Pleinairisten,
haben auch im Atelier gemalt. Von Impressionisten wird gesagt, sie hätten
eine leicht erkennbare Maltechnik gehabt, kurze komma- oder punktartige
Pinselstriche (Pointillisnus) in Primamalerei ohne Vorzeichnung
und erarbeitete Komposition auf die Leinwand aufgebracht. |
| Zum
Farbauftrag: |
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Der Ausschnitt aus Manets "Serviererin"
von 1878 zeigt, daß Manet den Pinselstrich hier im Sinn einer Beschreibung
von Materialqualität einsetzt.Die Haut der Frau, die dahinter liegende
Tapete und der diffuse rote Raumhintergrund sind durch stark unterschiedliche
Farbaufträge charakterisiert. |
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Seurat hingegen belegt Figur
und Grund mit einem unterschiedslosen Muster. Auffallend die unterschiedliche
Größe und Richtung seiner Striche in der Vorstudie gegenüber
der ausgearbeiteten Form. Je mehr er sich in zahlreichen Vorstudien seinem
Ziel nähert, desto kleiner und vielzähliger werden seine Farbtupfer.
Zwei
Studien zu Les Poseuses von 1886/87 Öl auf Holz, Ausschnitte ca 10
cm hoch. |
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Cezanne setzt seinen Pinselstrich sehr
unterschiedlich ein. In diesem Gesichtsausschnitt verwendet er die Richtung
des Farbaufstrichs in einer stereometrisierenden Weise. Er gibt der
Gesichtsoberfläche in einzelnen Abschnitten, Facetten eine verschiedene
Raumrichtung vergleichbar einer groben Schraffur.
Die gleichförmigen, sichelförmigen
Striche im Hintergrund der Figur charakterisieren in der Größe
und Form das Laub im Hintergrund der Figur.
Die Hautfarbe des Akts gibt neben ihrer
Eigenfarbe (Lokalfarbe) Reflexe wieder, die von der Umgebung stammen. Der
Umriß
der Figur ist an einigen Stellen durch Schwarz deutlich gemacht ohne daß
die Form jedoch im klassischen Sinn geschlossen vor dem Hintergrund steht.
Vielmehr öffnet sich der Umriß an einigen Stellen und geht dort
fließend in den Hintergrund über. Wenn man entscheiden wollte
ob man das Schwarz der Kontur zum Körper oder zum Hintergrund rechnen
soll, scheint eher das erstere der Fall zu sein. Es handelt sich also um
eine Art Körperschatten.
"Un
Baigneur", 1879, Ausschnitt ca 15 cm hoch |
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In der Farblithografie jener Zeit wird
der Pointillismus zum regulären Verfahren. Hier der Ausschnitt aus
einer Hand. Für die Drucke wurden oft sechs oder mehr manuell hergestellte
Farbauszüge übereinandergedruckt. Die Punkte sind ohne Lupe gerade
noch erkennbar und nehmen in Handarbeit das Ergebnis vorweg, das durch
den von Maisenbach erfundenen Rasterdruck bals auf fotografischem Weg hergestellt
werden kann. Die Lithografie setzt hier die Theorien des Neoimpressionismus
konsequenter um als die Malerei. |
Wenn man genau hinschaut,
dann finden sich bei den Impressionisten durchaus verschiedene Auffassungen
vom 'Komma' und von Komposition. Der Neoimpressionismus kehrt mit Seurat
wieder zur Bildkonstruktion zurück.
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Von den Impressionisten wird gesagt, sie
hätten eine völlig
neue Farblehre erfunden, wonach die
Schatten nicht grau sondern farbig darzustellen seien, Plastizität
nicht durch Modellierung der Lokalfarbe darzustellen sei, Weiß und
Schwarz völlig aus der Palette zu verbannen sei, die Farben nicht
mehr auf der Palette zu mischen seien, sondern rein auf die Leinwand aufzutragen
sei. Mischung der Farben ist dann eine Aufgabe des wahrnehmenden Auges
(Divisionismus). Seurat verwendet sowohl Schwarz als auch Weiß,
allerdings nie in geschlossenen Flächen. Er formt seine Figuren sehr
plastisch, erzeugt das 'Grau' für die Körperschatten allerdings
durch ein Nebeneinander von z.B. orangen und blauen Punkten. |
Bei genauer Betrachtung
existiert keine einheitliche Farbtheorie der Impressionisten. Wenn es dennoch
so etwas ähnliches gibt, dann setzt sich das Gebilde 'Impressionistische
Farblehre' aus einigen zentralen Kategorien zusammen, um die die Gedanken,
Experimente, Beobachtungen der Impressionisten kreisten, und zu denen es
von einzelnen Künstlern die eine oder andere in Briefen und anderen
verstreuten Stellen selbst geäußerte oder zitierte Meinung gab:
Freilichtmalerei,
Vorliebe für sonnige, Lichtdurchflutete Motive und eine atmosphärische
Beleuchtung, wenig Bedeutung des lokalen Colorits, Betonung von Farbe
und Fleck im Gegensatz zu Zeichnung und Linie, Betonung des visuellen-
gegenüber dem taktilen Empfinden, Bevorzugung kräftiger Farbklänge
durch ein Nebeneinander komplementärer Töne.
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Cezannes Badende leben meist von einem
komplementären
Kontrast von Blau (Himmel, Wasser) zu
Orange (Körper,
Haut). Im nebenstehenden Beispiel wird deutlich, wie der Maler in der Farbe
der Körper auf den Hintergrund reagiert. Vor dem grünen Hintergrund
bekommt die Hautfarbe einen deutlich roten Ton. Andererseits reflektiert
die Haut in einigen Passagen die Farbe des Hintergrunds. |
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Modulation
von Farbe im Gegensatz zu Modellierung mit Farbe. Mit der Ablehnung
von Linie und Modellierung erhebt die Malerei erstmals auch den Anspruch
als führende Kunstgattung gegenüber Plastik und Architektur.
Die Äußerung von Pissarro dürfte jedoch der Wahrheit entsprechen:
"Ich
erinnere mich, daß ich trotz meines Feuereifers noch mit vierzig
Jahren keineswegs die große Bedeutung der Richtung ahnte, die wir
instinktiv
eingeschlagen hatten."
| Die plastische Form entsteht bei Seurat
aus einer gestuften Abfolge von Tönen der gleichen Farbe (=Modulation).
Blau nimmt nach rechts hin in der Sättigung, aber auch in der Dunkelheit
zu. Außerdem wächst der Anteil und damit die Dichte der blauen
Punkte. Gleichzeitig intensiviert sich Orange in Richtung auf Rot. Die
Überlagerung beider Töne erzeugt ein Violett. Durch die Form
der Punkte, die nach rechts zunehmend enger und runder werden, hilft Seurat
der Modulation durch einen der Schraffur vergleichbaren Effekt nach. |
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| "Das Motiv soll
mehr auf der Form und Farbe als auf Zeichnung hin betrachtet werden. Es
ist unnötig eine Form zu umgrenzen; sie kann auch ohne dies zur Geltung
kommen. Genaue Zeichnung wirkt hart und schadet dem Gesamteindruck; sie
zerstört das Gefühlsmoment. Grenzen Sie also die Umrisse der
Dinge nicht zu scharf ab; der im Tonwert richtige Farbfleck muß die
Zeichnung ergeben. Die Schwierigkeit bei einer großen Form liegt
nicht in der exakten Wiedergabe der Kontur, sondern im Malen dessen, was
sie enthält. Malen Sie die wesentliche Eigenart der Dinge, versuchen
Sie diese auf irgendeine Weise darzustellen, ohne sich mit der Technik
abzuplagen. Hat man ein Motiv gewählt, muß man sehen, was sich
rechts und links von ihm befindet, und an allem gleichzeitig malen. Arbeiten
Sie nicht Stück für Stück, tragen Sie überall Farben
auf in genauer Beobachtung der Tonwerte im Verhältnis zur Umgebung.
Malen Sie mit kleinen Pinselstrichen und versuchen Sie, Ihre Wahrnehmungen
sogleich festzuhalten. Das Auge darf sich nicht auf einen bestimmten Punkt
konzentrieren, sondern muß alles aufnehmen und dabei die Reflexe
der Farben auf ihre Umgebung beachten. Arbeiten Sie nebeneinander am Himmel,
an den Zweigen und an der Erde, und verbessern Sie immer wieder, bis das
Ganze stimmt. Bedecken Sie schon in der ersten Sitzung die ganze Leinwand
und arbeiten Sie, bis es nichts mehr hinzuzufügen gibt. Beobachten
Sie die Luftperspektive genau vom Vordergrund bis zum Horizont, den Widerschein
des Himmels und des Laubes. Haben Sie keine Angst, kräftig Farbe aufzutragen;
verfeinern Sie nach und nach die Arbeit. Gehen Sie nicht nach Regeln und
Prinzipien vor, sondern malen Sie, was Sie wahrnehmen und empfinden. Malen
Sie flott und ohne Zögern, denn es ist wichtig, den ersten Eindruck
festzuhalten. Nur keine Schüchternheit vor der Natu! Man muß
kühn sein, auch auf das Risiko hin sich zu irren und Fehler zu machen.
Es gibt nur einen Lehrer: die Natur. Sie sollte man immer befragen." |
Pissarro wiedergegeben
durch
seinen 'Schüler' Louis Le Bail, zitiert aus Rewald "Die Geschichte
des Impressionismus" |